Germanen, Handel und Religion

Germanen - Barbaren?

Die relativ kleinen Gruppen der Germanen verstanden sich als selbständige Einheiten. Es gelang ihnen deshalb selten, mehrere Stämme für ein politisches Ziel zu vereinen. Genau dies hatten die Römer erkannt und machten es sich zunutze. Sie schlossen wechselnde Bündnisse mit verschiedenen Stämmen und spielten sie gegeneinander aus. Doch weckte der Wohlstand der römischen Grenzprovinzen immer wieder Begehrlichkeiten. Überfälle auf die zivilen Kastelldörfer und Gutshöfe waren in den seltensten Fällen als Befreiungskämpfe zu verstehen, sondern als Raubzüge zum Zweck der Plünderung. Bis ins Jahr 233 herrschte jedoch weitgehend Ruhe am obergermanischen Limes und ein friedliches Nebeneinander mit guten Handelsbeziehungen.

Handel bis an die Grenzen

Luxusgüter wie Gewürze aus dem Orient, Olivenöl aus Spanien, das begehrte rote Tafelgeschirr (terra sigillata) aus gallischer und rheinischer Produktion, Schmuck und Gewandfibeln – all dies war innerhalb des Weltreichs zu bekommen, selbst an den fernsten Grenzen. Auch Fischsoße (garum), für die römische Hausfrau eine unverzichtbare Zutat zu beinahe jedem Essen, kam mit den Händlern in die entlegensten Gebiete. Kaum war ein Kastell gebaut, war die Nachfrage da. Der monatlich ausgezahlte Sold sicherte die Kaufkraft und machte die Außenposten für die Händler interessant. Sogar über die Grenze hinweg liefen die Handelsrouten, denn Waren und Münzen aus römischer Produktion hat man bei Ausgrabungen weit im germanischen Hinterland gefunden.

Religion

Für die Römer verkörperte sich Religion in einer Vielzahl von Göttern. Besser man ging auf Nummer Sicher und streute Opfergaben breit, nach der Devise „do ut des“ – „ich gebe, damit du gibst“. Jeder durfte der Gottheit opfern, von der er Schutz und Hilfe erwartete. Einzige Bedingung war die Bereitschaft, den römischen Staatsgöttern, dem Jupiter (Beherrscher von Himmel und Erde), der Juno (Schutzgöttin der Frauen) und der Minerva (Göttin der Weisheit, des Handwerks sowie der besonnenen Kriegsführung) zu opfern. Da der Kaiser als Stellvertreter des Gottes Juppiter Optimus Maximus angesehen wurde, galt dieser Kult als unverzichtbar, selbst in den entlegenen Provinzen des Reichs. Diese Verehrung wurde auch von den nichtrömischen Soldaten verlangt und gewissenhaft in den Kastellen praktiziert.
Darüber hinaus huldigten Soldaten ebenso wie die Siedler ihren Heimatgöttern. Beliebt waren auch orientalische Mysterienkulte wie der im persischen Kulturraum entstandene Mithras-Kult. Einen Mithrastempel gab es vermutlich auch im Vicus Murrensis.