Stadtnachricht

125-Jahre Rentenversicherung in Baden-Württemberg: Rück- und Ausblick


Die Rentenversicherung hat Geburtstag: Seit 125 Jahren ist sie Garant für soziale Sicherung auch in Baden-Württemberg. Am Mittwoch, 21. Oktober, diskutierte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg mit Sozialministerin Katrin Altpeter, Behindertenbeauftragte Verena Bentele und dem Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen über die Herausforderungen der Zukunft. In Wangen im Allgäu stand dabei insbesondere die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen im Fokus. Ziel der Rentenversicherung ist es schließlich, ihre künftigen Versicherten fit für Schule und Ausbildung zu machen. »Die Kinder- und Jugendrehaklinik Wangen hat hier vieles zu bieten«, weiß Ministerin Katrin Altpeter. Nicht ohne Grund stand die Veranstaltung unter dem Thema »Kinder-Reha sichert Lebensläufe«.

Solidarsystem blickt in die Zukunft

Von den vielerlei in den vergangenen 125 Jahren gemeisterten Herausforderungen der gesetzlichen Rentenversicherung berichtete der Vorstandsvorsitzende der DRV Baden-Württemberg, Nikolaus Landgraf:

Inflationen, zwei Weltkriege, Flucht, Vertreibung, deutsche Einheit, all das habe die selbstverwaltete Rentenversicherung bravourös gemeistert. Und sich dabei stets auch um ihre Beitragszahler gekümmert, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten. Sie wieder in den Job zu bringen, sei eine wichtige Aufgabe, Prävention und Reha erprobte Mittel dafür. Landgraf schlug den Bogen von Bismarcks Invalidenversicherung aus dem Jahr 1890 bis zur Reha für Kinder und Jugendliche.

»Hänschen kurieren, bevor Hans nicht arbeiten kann«

Darüber war sich die hochkarätig besetzte Gesprächsrunde schnell einig.

Politiker, Experten der Rentenversicherung und insbesondere jugendliche Rehabilitanden sowie deren Eltern diskutierten Erfolgsgeschichten und Hemmnisse. 

Die Fakten seien alarmierend, so Hubert Seiter, Geschäftsführer der DRV im Land. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren, also rund 1,9 Millionen seien übergewichtig, sechs Prozent, rund 800.000 sogar fettleibig. Durchschnittlich haben ein bis zwei Kinder in jeder Schulklasse Asthma. Und: 17 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 17 seien psychisch auffällig. »Trotzdem gehen die Anträge auf Reha für Kinder seit Jahren zurück, was uns als Kostenträger keinesfalls freut, sondern ärgert«, bekennt Seiter. 

Ohne Schulabschluss ist Arbeitslosigkeit programmiert 

»Wir dürfen keinen einzigen jungen Menschen zurücklassen. Allen Jugendlichen muss ein gesunder Start ins Berufsleben ermöglicht werden«, unterstrich Stephan Prändl, der Leiter der Schule der Rehaklinik Wangen, und beschreibt die fatalen Folgen: »Kinder mit Schulangst oder Schulabbrecher sind später signifikant öfter arbeitslos«. 

Reha und Schule kommen zusammen 

Die DRV Baden-Württemberg startete deshalb ein Pilotprojekt: Die »medizinisch-schulisch orientierte Rehabilitation« bindet die Schulen noch mehr ein. Mit der Heimatschule und den Eltern werden Wege in Ausbildung, Studium und Beruf abgestimmt und die Eignung in der Rehaklinik erprobt, erfuhren die rund 300 Gäste der Veranstaltung in Wangen. 

Von den Teilnehmern der Gesprächsrunden ? darunter die baden-württembergische Sozialministerin Katrin Altpeter und die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele ? erfuhr die DRV Unterstützung auf ihrem »richtigen Weg, frühzeitig an ihre künftigen Beitragszahler zu denken.« Moderator Dr. Hendrik Groth fasste die Beiträge der hochkarätigen Diskussionsrunde zusammen: »Alle auf dem Podium - Sozialministerin Katrin Altpeter, Verena Bentele, Lothar Riebsamen, Hubert Seiter, Stephan Prändl, die Chefärzte Dr. med. Dirk Dammann und Dr. med.

Thomas Spindler, Klinikleiter Alwin Baumann und Kinderarzt Dr. med. Klaus Rodens - sind sich einig: Kinder-Reha ist kein Kostenfaktor, es ist vielmehr eine herausragende Investition in die Zukunft.« 

Kampagne soll Reha für Kinder und Jugendliche bekannter machen 

»Arztpraxen, Lehrer, Sozialarbeiter, Jugendämter und nicht zuletzt die Eltern sind die Zielgruppe für unsere Informationskampagne«, sagte Rentenchef Seiter. »Wir lehnen keinen Antrag auf Kinder-Reha ohne Rücksprache mit dem Arzt ab«, unterstreicht Seiter die Ernsthaftigkeit seines Anliegens.
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Redakteur / Urheber
Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg