Stadtnachricht

„Unsere Pflege- eine runde Sache!“
Bundesweiter Tag der Pflege am 12. Mai 2016


Lösungen zu finden, um die hohe Qualität der Pflege im oberen Murrtal weiterhin zu gewährleisten, ist Diakonie ambulant ein großes Anliegen, so Vorstand Thomas Nehr.
 
Diakonie wendet sich mit Blumen und Botschaften an die Öffentlichkeit

 
Deutschlandweit verteilten Mitarbeitende diakonischer Pflegeeinrichtungen Blumen, an denen Banderolen angebracht sind mit der Aussage „Unsere Pflege- eine runde Sache.“
 
Jeder Mensch hat das Recht auf gute und würdevolle Pflege.

Aber: Der zunehmende ökonomische Druck gefährdet eine gute Versorgung
 
Diakonische Pflegeeinrichtungen versorgen kranke und pflegebedürftige Menschen bestmöglich. Ziel ist es, die noch vorhandenen Kräfte und Fähigkeiten zu erhalten. Sie sollen trotz Erkrankung oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkung am normalen Alltagsleben teilhaben können.
 
Auch diakonische Pflegedienste und Pflegeheime – aber auch die Krankenhäuser - sind seit Jahren einem immer stärker werdenden ökonomischen Druck ausgesetzt. Sie befürchten, dass gute Pflege künftig nicht mehr wie bisher geleistet werden kann. Deshalb wenden sie sich am Tag der Pflege an die Öffentlichkeit und an die Politik.
 
Wenn wir künftig gut pflegen und selbst gut gepflegt werden wollen, müssen die Weichen heute richtig gestellt werden. Gute Pflege ist aus Sicht diakonischer Pflegeeinrichtungen in Gefahr. Hauptgrund dafür ist die schwierige Finanzierungssituation. In den vergangenen Jahren sind Gehälter und Sachkosten kontinuierlich gestiegen.
 
Die Pflegekassen, Krankenkassen und die Sozialhilfeträger haben ihre Vergütungen nicht in dem Maß angehoben, wie es die allgemeinen Kostensteigerungen notwendig machen. Dies hat zu einer strukturellen Unterfinanzierung der Pflegeleistungen geführt.
 
Der große wirtschaftliche Druck auf die Einrichtungen hat den Zeitdruck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigen lassen. In der ambulanten Pflege müssen zum Beispiel in einer Pflegetour 20 bis 30 Prozent mehr Patienten versorgt werden, als noch vor 15 Jahren. Weil mit der neuesten Pflegereform Klienten mehr Leistungen wählen und kombinieren können, brauchen die Pflegekräfte mehr Zeit für gute Beratung.
 
Die Pflegeversicherungsleistungen sind dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Der heutige Betrag ist im Vergleich zu den Anfängen in den 90er Jahren viel zu niedrig.

 
Auch in der ambulanten Pflege gab es bei den Vergütungen über einen Zeitraum von zehn Jahren Preisaufschläge deutlich unter den jährlichen Inflationsraten.
 
Deshalb fordert die Diakonie eine deutliche Anhebung der Pflegeversicherungsleistungen in den nächsten Jahren.
Nur wenn mehr Geld in das System kommt, lässt sich gute Pflege auch zukünftig leisten und bezahlen.

 
Diakonie ambulant fordert auch mehr Ehrlichkeit von der Politik. Es muss deutlich gesagt werden, dass die Qualität der Pflege in Zukunft nur dann auf dem heutigen Niveau gehalten werden kann, wenn auch die Beiträge zur Pflegeversicherung angehoben werden. Langfristig müssen wir die Pflege- und Krankenversicherung auf eine solide Finanzierungsgrundlage stellen. Sonst zahlen unsere Kinder und Enkelkinder unsere Pflege, ohne jemals selbst entsprechende Leistungen zu erhalten.
 
Höhere Anforderungen in der Pflege verstärken den Druck.
Immer schwerer kranke Menschen müssen versorgt werden

 
Zu Recht rühmt sich Baden-Württemberg als ein Land hochwertiger industrieller Produkte. Der Lebensstandard ist – verglichen mit anderen Bundesländern - hoch. Erreichen wir diese Qualität auch bei der Pflege? Und können wir das hohe Qualitätsniveau auch in den nächsten Jahren halten? Die Antwort fällt aus heutiger Sicht unterschiedlich aus. Die vom Medizinischen Dienst der Kassen erteilten Pflegenoten sind überwiegend sehr gut. Gleichwohl sind Entwicklungen zu beobachten, die zum raschen Handeln auffordern: Durch die kürzeren Behandlungszeiten in den Krankenhäusern kommen immer mehr Menschen sehr früh aus dem Krankenhaus und müssen im Heim oder zu Hause weiter behandelt und gepflegt werden. Die Versorgung schwer kranker Menschen stellt hohe Anforderungen an Pflegerinnen und Pfleger, sie brauchen dafür sehr gute Fachkenntnisse und sie brauchen vor allem mehr Zeit.
 
Menschliche Pflege braucht Menschen, die sie leisten! Die Pflegevergütung muss eine gute Anleitung und Fortbildung der Pflegekräfte ermöglichen!
 
Wir müssen den Teufelskreis durchbrechen, der durch die Reduzierung der Pflegezeiten und durch die dauernde Überlastung der Mitarbeiter entsteht. Pflege ist kein technisches Produkt. Gute Pflege ist immer das Ergebnis einer hohen Fachlichkeit und einer guten Beziehung zwischen den Beteiligten.
Schon heute gibt es einen spürbaren Fachkräftemangel. Der Bedarf an Fachkräften in der Pflege wird weiter steigen. Deshalb sind wir alle gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern.
Junge und ältere Menschen müssen Ihre Arbeit als sinnvoll erleben können und Freude daran haben.
 
Das heißt:
 
Wir brauchen mehr und attraktive Ausbildungsplätze in der Pflege.
Wir müssen Möglichkeiten schaffen, um auch im fortgeschrittenen Alter noch gerne und gesund im Beruf arbeiten zu können.
Tarifliche Vergütungen - wie in der Diakonie üblich - dürfen die Kostenträger bei den Verhandlungen nicht in Frage stellen.
  
„Billiglösungen“ in der Pflege sind keine guten Lösungen!
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Redakteur / Urheber
Diakonie ambulant