Stadtnachricht

Diakonie ruft zur solidarischen Finanzierung der Pflege auf
Am 12. Mai ist internationaler Tag der Pflege


Zum internationalen Tag der Pflege am 12. Mai ruft die Diakonie Württemberg zur gesellschaftlichen Wertschätzung der Pflege auf. „Es muss im Bewusstsein aller verankert sein, dass Pflegekräfte einen unverzichtbaren Dienst leisten und wir diesen Einsatz gemeinschaftlich finanzieren müssen“, sagt Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Es brauche den gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Aufwendungen für mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Zeit für Menschen in der Kranken- und Altenpflege nicht nur zu Lasten der Pflegebedürftigen gehen dürfen. „Es kann nicht sein, dass jede Tarifsteigerung und jede leichte Verbesserung der Personalsituation in der Pflege nur die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen stemmen müssen“, sagt Kaufmann.
 
Pflegefachkräfte von Diakonie ambulant kümmern sich täglich um akut Kranke und Menschen im oberen Murrtal, die auch dauerhaft auf Pflege angewiesen sind. Unsere therapeutischen Praxen der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie sind eine wichtige Ergänzung des Versorgungssystems. „Ohne den enormen Einsatz der überwiegend professionellen Fachkräfte könnte unser Gesundheitswesen gar nicht funktionieren, auch die ärztliche Versorgung wäre nicht möglich, wenn es nicht komplementäre pflegerische und therapeutische Angebote geben würde“, sagt Thomas Nehr, Vorstand von Diakonie ambulant.
 
Gleichzeitig werde immer wieder vor explodierenden Gesundheitskosten und damit vor einer finanziellen Mehrbelastung der Bevölkerung gewarnt. „Das ist eine grundsätzliche politische Frage, die auch nur politisch gelöst werden kann“, sagt Kirchenrätin Eva-Maria-Armbruster, Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks Württemberg. „Letztendlich müssen wir uns darauf einstellen, dass gute Versorgung mehr Geld kosten wird. Dabei müssen wir vor allem diejenigen besonders im Blick haben, die über ein geringes Einkommen verfügen. Über die Qualität der Versorgung darf nicht der Geldbeutel entscheiden.“
 
Um aus diesem Dilemma herauszukommen, fordert die Diakonie, die Pflegeversicherung mittelfristig neu zu justieren. „Bisher haben wir das System einer zusätzlichen Versicherung mit einer großen Eigenbeteiligung der Betroffenen. Dies führt bei allen Menschen mit hohem Versorgungsbedarf zu einer überproportionalen Belastung. Die Angst, im hohen Alter von der Sozialhilfe abhängig zu werden, wächst. Dieses Problem lösen wir politisch nur durch eine völlige Neugestaltung der Pflegeversicherung“, ist Armbruster überzeugt.
 
Ebenso wichtig sei es, junge Menschen für die Pflege als Beruf zu interessieren. Die ab dem kommenden Jahr geltende Reform der Pflegeausbildung soll den künftigen Pflegeschülern  eine breite generalistische Ausbildung bieten. Dadurch sollen die Attraktivität der Ausbildung, aber auch die Aufstiegsmöglichkeiten verbessert werden. Erleichtert wird auch der Zugang zu einem Hochschulabschluss in Pflegewissenschaften. „Das ist eine gute Perspektive“, sagt Eva-Maria Armbruster. „Angesichts der demografischen Entwicklungen müssen die Pflegekräfte über eine hohe Professionalität in allen Bereichen verfügen.“
 
Die Diakonie Württemberg kritisiert aber, dass die Bundesregierung eine Anschubfinanzierung für die Pflegeschulen bisher ablehnt. Diese müssen sich vollkommen neu aufstellen. „Die Berufereform verlangt sowohl den Schulen als auch von den Ausbildungsbetrieben viel ab, zumal die gesetzlichen Anforderungen an die theoretische und praktische Ausbildung steigen. Das ist gut so, aber auch in der Ausbildung ist eine bessere Qualität nur mit dem Einsatz einer besseren Finanzierung zu erreichen“, sagt Eva-Maria Armbruster. Die Diakonie fordert deshalb von der Bundesregierung, der Landesregierung und den Pflegekassen die Einführung der Ausbildung mit ausreichenden Zuschüssen auszustatten. „Besonders in den ersten fünf Jahren der Reform werden wir viel Geld in die Hand nehmen müssen, um gut ausgebildete und gut motivierte neue Mitarbeiter in den Pflegeeinrichtungen beschäftigen zu können.“
 
 
Das Diakonische Werk Württemberg
Die Diakonie Württemberg ist die soziale Arbeit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Freikirchen. Das Diakonische Werk Württemberg mit Sitz in Stuttgart ist ein Dachverband für 1.400 Einrichtungen mit fast 50.000 hauptamtlichen und 35.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie begleiten Kinder, Jugendliche und Familien, Menschen mit Behinderungen, alte und pflegebedürftige Menschen, Arbeitslose, Wohnungslose, Überschuldete und andere Arme, Suchtkranke, Migranten und Flüchtlinge sowie Mädchen und Frauen in Not. Täglich erreicht die württembergische Diakonie über 200.000 Menschen. Das Diakonische Werk Württemberg ist ebenfalls Landesstelle der Internationalen Diakonie, Brot für die Welt, Diakonie Katastrophenhilfe und Hoffnung für Osteuropa.
 
Bundesweit sind rund 525.000 hauptamtlich Mitarbeitende und etwa 700.000 freiwillig Engagierte in der Diakonie aktiv. Der evangelische Wohlfahrtsverband betreut und unterstützt jährlich mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland.
 

Gut zu wissen: Fakten zur Pflege
Deutschland wird immer älter. Während 2013 etwa 4,4 Millionen Menschen 80 Jahre und älter waren, werden es 2050 – so schätzen es Experten – fast 10 Millionen sein.
Mit dem Alter steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden: Im Dezember 2017 waren in Deutschland 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig. Nach wie vor werden die meisten pflegebedürftigen Menschen -  2,59 Millionen - zu Hause versorgt. In Altenpflegeheimen leben 818.000 Menschen.
In der Pflege arbeiten derzeit in Deutschland knapp 1,15 Millionen Menschen. Bundesweit gibt es 14.100 ambulante Pflegedienste und etwa 14.500 Pflegeheime. Diakonische Träger unterhalten 1.756 ambulante Pflegedienste und Beratungsstellen sowie 2.755 Altenpflegeheime mit mehr als 153.000 hauptberuflichen.
 
Quellen: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2017 und Einrichtungsstatistik 2016 der Diakonie Deutschland

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Redakteur / Urheber
Diakonie Württemberg