Stadtnachricht

Fornsbacher Waldsee wird 90 Jahre


Das Jahr 2019 ist für den Fornsbacher Waldsee ein kleines Jubiläumsjahr. Hierauf wurde erst kürzlich beim Sommernachtsfest am Waldsee Anfang August hingewiesen und Bürgermeister Armin Mößner betonte in seiner kurzen Eröffnungsrede die Entstehung des Waldsees und seine Bedeutung für den Tourismus im Schwäbischen Wald. In den 20iger Jahren erkannten immer mehr Städter das waldreiche Gebiet des Schwäbischen Waldes als Erholungsregion und als Sommerfrische. Die Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Land- und Forstwirtschaft waren zudem für die Bevölkerung hier dünn gesät. Dies veranlasste die Fornsbacher nachdenklich zu werden aufgrund der zahlreichen Ausflügler, die an schönen Sonntagen zwar den von Stuttgart ankommenden Zügen entstiegen sind, jedoch den Ort links liegen ließen und in Richtung Ebnisee marschierten. Lediglich vor der abendlichen Heimfahrt profitierte das in der Nähe des Bahnhofs gelegene Gasthaus Rose von den Fremden, die sich noch mit einem Glas Most oder Bier stärkten und den Einheimischen von der Schönheit des Ebnisees vorschwärmten.
So schlossen sich im Sommer des Jahres 1928 die Pioniere des Fremdenverkehrs in Fornsbach zusammen, um einen Bürgerverein zu gründen. Johann Georg Braun, der Vater des späteren Seebesitzers, Georg Braun, kann die beitrittswilligen Bürger davon überzeugen, dass die Anlage eines Stausees in Mitten des Waldes einen besonderen Anziehungspunkt für erholungsuchende Gäste abgeben würde. Für dieses Vorhaben bot sich ein sumpfiges Waldgelände einen Kilometer außerhalb des Dorfes an, auf dem wie die Chronik zu berichten weiß bereits im 14. Jahrhundert ein später verlandetes Gewässer zum Holzflößen bestand. Im September 1928 wurde von 32 Bürgern der Gemeinde Fornsbach ein Bürgerverein zur Förderung des Fremdenverkehrs gegründet. Jedes Mitglied hat bis 1. Januar 1934 einen unverzinslichen Anteilschein in Höhe von 50 Reichsmark gezeichnet. Im Januar 1929 wurden die Grundlagen für den Erwerb des Grundstücks im Gewann Seeteich auf der Markung Fornsbach für den Bau eines Stausees geschaffen. Da dem Verein hierfür die finanziellen Mittel fehlten, sprangen einzelne Mitglieder für die Finanzierung ein und gründeten eine „Seegesellschaft“ als finanzieller Träger des Waldsees mit Gaststätte. Ein Vertrag vom 23. Januar 1929 weist als Gesellschafter aus: Johann Georg Braun, Privatmann, Gustav Gunzer, Möbelfabrikant, Adolf Braun, Kaufmann, Johann Herrmann, Schreiner, Karl Hurlebaus, Landwirt und Adolf Möck, Schreinermeister. Bereits im Herbst 1928 wurden weitere erforderliche Grundstücke, die überwiegend im Besitz des Landwirts Hurlebaus waren, erworben und hieraufhin wurde nach Plänen des Murrhardter Architekten Schüle der ca. 9 Morgen große See mit Gaststätte am östlichen Seeufer in der damaligen Rekordzeit von 9 Monaten errichtet. Bei den Bauarbeiten hat der Großteil der Bevölkerung mitgeholfen und zum Gelingen des Werkes beigetragen. Das Erdmaterial wurde mit Loren herangeschafft, das beim Aushub der Zufahrtsstraße angefallen war. Reste des ehemaligen Damms des Flößersees wurden dabei ebenfalls freigelegt. Die Herstellung des Sees war seinerzeit eine große Gemeinschaftsleistung der Gemeinde Fornsbach.
An Pfingsten 1929 wurde der Waldsee eingeweiht und erster Pächter des Waldsees wurde Johann Herrmann, der bereits im Ort eine Pension betrieb. Das Verhältnis zwischen der damaligen Gemeindeverwaltung, dem Bürgerverein und der Seegesellschaft war alles andere als gut. So beschwerte sich der Bürgerverein am 12. Juli 1929 schriftlich beim Oberamt in Backnang, dass der damalige Schultheiß Raum „mit willkürlicher Ansetzung von Vergnügungssteuer bei unentgeltlicher Vergnügungsmusik am See die örtliche Gaststätte und die Entwicklung des Fremdenverkehrs hemme“. Der Waldsee sprach sich in der Region Stuttgart schnell herum, da für Werbezwecke auch Prospekte gedruckt wurden. An einem schönen Sommersonntag konnten auf dem Seeparkplatz 800 Fahrräder gezählt werden. Weitere Gäste kamen u.a. auch mit der Eisenbahn. Infolge Uneinigkeit löste sich die Seegesellschaft bereits im Jahre 1930 wieder auf. Alleineigentümer waren nun die bisherigen Gesellschafter Adolf und Johann Georg Braun. Im Herbst des Jahres 1930 übernahm dann der aus Südamerika in die Heimat zurückgekehrte Georg Braun die Waldseeanlage zunächst als Pächter und ab 1936 als Eigentümer. Mit Elan und neuen Ideen baute Georg Braun die Anlage, die nicht nur den Fremden zur Erholung, sondern auch den Einheimischen als Freibad diente, weiter aus. Die Kriegsjahre unterbrachen die Aufwärtsbewegung. Mit Entschlossenheit und Tatkraft baute Georg Braun anschließend das Unternehmen wieder auf und legte durch die Anlage eines Kinderspielplatzes, einer Freiluftkegelbahn, Tischtennisanlage und einer der ersten Kleingolfanlagen des Landes den Grundstock zum heutigen Freizeitzentrum Waldsee. Im Jahre 1956 entstand ein Zeltplatz mit Gaststätte und Sanitärräumen. In der Zwischenzeit erkannte auch die Gemeindeverwaltung in Fornsbach die Vorteile des Waldsees für die Gemeindeentwicklung und den Fremdenverkehr im Schwäbischen Wald.
So wurde der Gemeinde im Jahre 1959 durch Georg Braun die Seeanlage nebst Parkplatz und weiteren Einrichtungen der Gemeinde Fornsbach zum Kauf angeboten. Bürgermeister Emil Kaspar und der damalige Gemeinderat in Fornsbach zögerten nicht und übernahmen die Waldseeanlage zum 15. September 1959. Der Betrieb wurde im bisherigen Umfang weitergeführt. Zudem übernahm die Gemeinde am 1. Oktober 1967 den Campingplatz nebst Waldschenke und Waldseegaststätte und betrieb das Waldseegebiet mit viel Engagement und unterstützt durch zahlreiche Hilfskräfte aus der Bevölkerung. So ist es auch verständlich, dass im Eingliederungsvertrag zwischen der Gemeinde Fornsbach und der Stadt Murrhardt von 1971 ausdrücklich die Weiterführung des Freizeitgebietes vereinbart wurde. Bereits 1972 begann die Stadt Murrhardt mit der Neugestaltung des gesamten Gebietes. Zunächst wurde der Campingplatz modernisiert und die damalige Waldschenke wurde durch ein modernes Campingplatzhauptgebäude 1974 ersetzt. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum des Waldsees 1979 wurde der neue Küchen- und Selbstbedienungstrakt zur Waldseegaststätte in Betrieb genommen. Es erfolgte die anschließende Sanierung des Gaststättengebäudes und des Saals. Durch Verlegung der Zufahrtstraße zum Campingplatz konnte die geräumige und umgestaltete Terrasse direkt an die Gaststätte angegliedert werden. Die Zufahrtsstraße zum Waldsee wurde übersichtlicher gebaut. Gleichzeitig wurde ein breiter und beleuchteter Gehweg für die Fußgänger angelegt. Im Jahr 1984 wurde die Minigolfanlage renoviert. Bis dato hatte die Stadt Murrhardt 3 Millionen DM in das Freizeitgebiet investiert.
Zum 1. Januar 2000 hat die Familie Pfitzenmaier die Waldseegaststätte als Kulinarium am Waldsee übernommen und sich über die Stadtgrenzen hinaus einen guten Ruf für hervorragende Küche und schönes Ambiente erarbeitet. Zur Badesaison 2001 wurde an der Flachwasserzone ein Sandstrand angelegt. Im Zuge des Orkans Lothar im Jahre 1999 wurde der angrenzende Wald komplett hinweggerafft. So konnte zur Badesaison 2002 eine neue, große Liegewiese errichtet werden. Im Jahr 2013 musste eine größere Dammsanierung an der Stauanlage des Waldsees durchgeführt werden, um die Stauanlage wieder den DIN-Vorschriften entsprechend auszugestalten. Der Höhepunkt der Waldseesaison ist seit Jahrzehnten traditionell Anfang August das Sommernachtsfest. Bis heute ist das Freizeitgebiet Waldsee für die Bürgerinnen und Bürger von Fornsbach und der Stadtgemeinde Murrhardt sowie für Gäste aus nah und fern ein beliebtes Ausflugsziel. Bürgermeister Mößner schloss seinen kurzen Rückblick anlässlich 90 Jahre Waldsee bei der Eröffnung des Sommernachtsfestes Anfang August mit den Worten: „Es wird auch in der Zukunft Aufgabe und Pflicht sein, dem Pioniergeist der „Waldseeväter“ zu folgen und sich auch weiterhin für eine gedeihliche Weiterentwicklung des Freizeitgebietes Waldsee einzusetzen“.
 
Armin Mößner
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