Stadtnachricht

Der Murrhardter Ölberg, neue Erkenntnisse zu einer der seltensten Passionsdarstellungen der frühen Renaissance
Vortrag im Casino der Kreissparkasse am Donnerstag, 26.9. um 19.30 Uhr


Nach neuen, absolut belegbaren Erkenntnissen,  muss der Murrhardter Passionsaltar völlig anders beurteilt werden. Geschaffen nach den künstlerischen Vorlagen eines Albrecht Altdorfer, Albrecht Dürer und Anleihen/Zitate von Lukas Cranach d. Ä., sowie Martin Schaffners, gehört das wohl letzte Werk, des aus Gründen der religiösen Verfolgung, in die Wallonie geflohenen Ulmer Bildhauers Daniel Mauch und seiner Werkstatt, zu den bedeutenden Werken Ulmer, Schwäbischer Bildhauerkunst der beginnenden Renaissance. Der Künstler ist absolut auf der Höhe der Zeit und im Austausch mit seinen namhaften Künstlerkollegen im süddeutschen Raum. Insbesondere die Umsetzung der biblischen, theologischen Vorgaben in eine Bildsprache und Konzeption, aus der frühchristlichen Liturgie - hin zu den Passionsspielen,  ähnlich den Armenbibeln in einer Zeit der Glaubensrevolution zwischen katholischer Mystik und reformatorischen Festhalten am Bibeltext, ist voller Spannung. Stilvergleiche, Objektvergleiche zur künstlerischen und handwerklichen Gestaltung geben wertvolle Einblicke und Aufschlüsse und den Nachweis der bedeutenden Einflüsse Altdorfers und Dürers. Gesellschaftliche, theologische und politische Zitate des Künstlers, ermöglichen im Bilderbuch des Ölbergs einen tiefen Einblick in das Zeitgeschehen nach Luthers Thesenanschlag, den politischen Unruhen in Württemberg und vor Beginn des Bauernkriegs. Tier-, und Pflanzendarstellungen,  gestalterische Elemente, Kleidung, sowie Farbsymbolik, helfen den Ölberg theologisch zu begreifen. Die Einordnung in weitere christliche Kunstwerke, erhaltene und abgegangene Bildwerke Murrhardts, sowie in die Umgebungsarchitektur, zeichnen ein Bild über die ehemaligen Osterbräuche, Liturgie und Volksfrömmigkeit, deren letzte Reste in unsere Zeit überkommen sind. Der Murrhardter Ölberg ist der einzige , nahezu vollständig erhaltene Ölbergaltar aus dem frühen 16.Jh, zumal aus Holz mit Türflügeln, der in Mitteleuropa noch existent ist. Einzelne rudimentäre Vergleichsstücke finden sich in den berühmten Museen in Paris,  Berlin, der Schweiz oder Österreich. Der Murrhardter Passionsaltar ist eindeutig der Liga der großen Passionsdarstellungen, wie dem Herrenberger Altar oder dem Kaisheimer Retabel zu zuordnen. Der Referent , Christian Schweizer, hat sich seit einigen Jahren mit dem Ölberg auseinandergesetzt und die historischen Vorlagen, Holzschnitte zur  künstlerischen Gestaltung und Ausführung des Ölbergs,  im Rahmen sehr Zeit intensiver Recherchen in Archiven finden können. Ergänzend auch einige ähnliche Holzbildwerke aus der Werkstatt des Bildhauers Daniel Mauch. Der Vortrag ist reich bebildert, eine  weitergehende Spende der Teilnehmer an die Bürgerstiftung zum Wiederaufbau der ehemaligen Pilgerstaffel wird erbeten.

ÖlbergMurrhardtEngelswganz
^
Redakteur / Urheber
Carl-Schweizer-Museum

  • Stadt Murrhardt
  • Rathaus - Marktplatz 10
  • 71540 Murrhardt
  • Telefon 07192 213-0
  • info@murrhardt.de