Stadtnachricht

Volkstrauertag am 15.11.2020


Bürgermeister Armin Mößner legt anläßlich des Volkstrauertages 2020 einen Kranz am Ehrenmal für die Gefallenen am Feuersee nieder..

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, 
 
die Dimension dessen, was die Menschen in dieser Zeit erleben mussten, können wir nur erahnen. In unzähligen Familien wusste man nicht, ob Väter, Söhne und Brüder zurückkehren würden. Eine ganze Generation lebte in Angst vor Tod und Verfolgung, Zerstörung und Hunger, erlitt den Verlust von oft weit entfernt und einsam verstorbenen Angehörigen. Und auch konkret hier vor Ort in Fornsbach und Kirchenkirnberg waren durch die Luftangriffe des 18.04.1945 und durch Beschuss der Kernstadt und Siegelsberg Bürgerinnen und Bürger unseres Gemeinwesens betroffen. Auch diese Ereignisse jähren sich in diesem Jahr zum 75. Mal. In Fornsbach starben in den letzten Kriegstagen sieben Personen der Zivilbevölkerung. In Kirchenkirnberg starben ebenfalls sieben Personen der Zivilbevölkerung in den letzten Kriegstagen durch die Luftangriffe. In Murrhardt und Siegelsberg kamen sechs Personen der Zivilbevölkerung durch Kriegshandlungen um. In Murrhardt, Fornsbach und Kirchenkirnberg fanden zudem 16 Soldaten den Tod durch die letzten Kriegshandlungen. 
 
Es leben heute noch Menschen unter uns, die in jungen Jahren erlebt haben, was Krieg und seine Folgen bedeuten und wie wertvoll Frieden und Freiheit sind. Zusammenhalt hat sie durch diese Zeiten voller Not geführt. Wir sollten diesen Zeitzeugen, besonders in unserer heutigen Zeiten voller Unsicherheit, gut zuhören und Ihnen beistehen - so gut es bei den aktuellen  Beschränkungen eben geht.  
 
Jedes Jahr fragen wir uns: Brauchen wir den Volkstrauertag noch? Wenn man in die Welt hinausschaut, dann wird er von Jahr zu Jahr aktueller. Auch heute noch leiden Millionen Menschen unter Kriegen, Bürgerkriegen, Flucht, Vertreibung, Hunger und Gewalt. Unser Leben in Frieden dürfen wir nicht als selbstverständlich hinnehmen. Wir müssen uns distanzieren von unselig ewig gestrigen Gedanken und ihren Trägern, deren Unsinn unseren Wohlstand und Sicherheit gefährden. Steuern wir unseren Beitrag zur Erhaltung des Friedens bei und halten Werte wie Toleranz, Hilfsbereitschaft, Respekt und Rücksicht für ein gutes Miteinander hoch.
 
Gerade in diesem Jahr dürfen wir auch auf 30 Jahre Deutsche Einheit zurückblicken. Dieses Ereignis war ein Meilenstein in unserer jüngsten deutschen Geschichte und Ausdruck unseres Verständnisses von Frieden und Freiheit.
 
 
Ihr
Armin Mößner
Bürgermeister


Hintergrundinformationen zum Volkstrauertag

 
Die Geschichte des Volkstrauertags
Der Volkstrauertag wird seit 1922, auf Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, begangen. Die erste offizielle Feierstunde, zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges, fand im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Dabei rief Reichstagspräsident Paul Löbe eindringlich zur „Abkehr von Hass“ auf und warb für Versöhnung und Verständigung. 
 
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erklärte die NSDAP im Jahr 1934 den Volkstrauertag zum staatlichen „Heldengedenktag“. Damals auf den 16. März festgelegt, sollte er alle Deutschen in der Trauer vereinen, schloss jedoch Opfer, die nicht zur „NS-Volksgemeinschaft“ zählten, aus. Dann kam der Zweite Weltkrieg, der zwischen 60 und 70 Millionen Menschenleben forderte. 
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag in Westdeutschland, mit Abgrenzung zum nationalsozialistischen Gedankengut, auf Betreiben des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Seitdem wird am Volkstrauertag auch der zivilen Opfer der Kriege gedacht. 1952 erließ die Bundesrepublik Gesetze über Feiertage – und regelte damit final, dass der Volkstrauertag immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent stattfindet.
 
Heute wird am Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert und gleichzeitig zu Versöhnung, Verständigung und Frieden gemahnt. Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Zu den Ritualen des Volkstrauertages gehören bundesweite Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen.
 
Totengedenken des Bundespräsidenten anlässlich des Volkstrauertages
 
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
 
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
 
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. 
 
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
 
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.
 
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.
 
Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

Zum 15. November 2020: Der Volkstrauertag am Heinrich-von-Zügel-Gymnasium

Seit vielen Jahren besteht bei der Gestaltung der Gedenkfeier zum Volkstrauertag eine Zusammenarbeit des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums mit der Stadt Murrhardt. Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses, einem Wahlfach in der Oberstufe, steuern Texte zum Programm der Gedenkfeier bei. Diese Texte entstehen in den Wochen zuvor, nachdem sich die jungen Menschen mit der Geschichte des Volkstrauertages auseinandergesetzt und eigene Schwerpunkte für ihre Texte festgelegt haben. Da leider die Gedenkfeier zum Volkstrauertag aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, wurden die Texte der Schülerinnen auf der Homepage des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums einer Öffentlichkeit vorgestellt.  Die Schülerinnen haben der Veröffentlichung zugestimmt.

Link zur Homepage des Heinrich-von-Zügel-Gymnasiums.


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