Limesturm

Limes

Für einen Germanen musste das ein überwältigender Anblick gewesen sein: ein schnurgerader Palisadenzaun mit Graben und Wall, dahinter eine Kette von Wachttürmen. „Stopp“, hieß das, „hier beginnt das Imperium Romanum!“. Quer durch Europa vom Schwarzen Meer bis zur Nordsee zog sich diese Grenze bis hinauf nach Brittannien, wo der Hadrianswall das römische Weltreich zum Norden hin abschloss.

Limes-Wachturm mit Hinweistafel Im Jahr 58 vor Christus hatte Julius Caesar seinen bespiellosen Eroberungszug nach Norden begonnen, 200 Jahre später erstreckten sich die römischen Provinzen vom Atlantik bis zum Rhein und Donau. Die Grenze, gesichert durch das Heer, umschloss eine geordnete Welt mit römischer Rechtsordnung, Kultur, Handel und einheitlicher Währung. Die Provinzen prosperierten rasch, dank einer gut funktionierenden, militärisch durchorganisierten Verwaltung. So kam es, dass viele der unterworfenen Völker bald ein neues Selbstverständnis gewannen und die Zugehörigkeit zum römischen Weltreich als Privileg ansahen.

Ein letztes Mal wurde die Grenze der Provinz Obergermanien unter Kaiser Antoninus Pius nach Osten vorverlegt, um auch die fruchtbaren Gebiete östlich des Neckars zu sichern. So entstand um das Jahr 150 n. Chr. der obergermanische Limes. Die neuen Kastelle wurden in einer Linie von Lorch über Welzheim, Murrhardt, Öhringen und Osterburken nach Walldürn am Main gebaut. Kurz hinter Lorch führt der raetische Limes weiter nach Osten bis kurz vor Regensburg. So sicherte eine insgesamt rund 550 Kilometer lange Grenzanlage die Provinzen an Donau und Rhein.

Trotz seines imposanten Aussehens war der Limes jedoch eher eine Demarkationslinie als eine Verteidigungsanlage. Einem generalstabsmäßigen Angriff der germanischen Stämme konnte er nicht standhalten. Doch er funktionierte hervorragend als Signal- und Alarmsystem. Beobachten, kundschaften, melden, das waren die Aufgaben der Wachmannschaften. So ließen sich Übergriffe gut vorbereitet abwehren oder mit diplomatischen Mitteln von vornherein vermeiden.

Die Fundstücke aus den archäologischen Grabungen an den Wachttürmen und viele weitere Zeugnisse aus der römischen Kastellsiedlung Vicus Murrensis sind im Murrhardter Carl-Schweizer-Museum zu sehen. Museumsführungen und Sonderführungen, Ciceroneführungen, sowie Stadtführungen sind auf Anfrage für Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.

Die Naturpark-Erlebnisschau Limes-Stein zeigt einen Querschnitt durch vergangene Zeiten, unter anderem auch etwas zum Limes. Als außergewöhnliches Zeugnis aus der Römerzeit ist im Naturparkzentrum am Marktplatz 8 die Kopie eines Weihealtars zu sehen.Zu Grenz-Erlebnissen der besonderen Art verhelfen die Limes-Cicerones. Die kompetent ausgebildeten Gästeführer begleiten Gruppen als Rad-, Wander- oder Reiseführer kundig und unterhaltsam zu den interessantesten Punkten des Limes. Das Naturparkzentrum informiert über das aktuelle Cicerone-Programm und vermittelt individuelle Führungen in und um Murrhardt.


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