Kleinsträttl Zeichnung Murrhardt 18. Jh.

Der Dreißigjährige Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kamen Kloster und Stadt an den Rand des Ruins. Die Pest und mehrere Hungersnöte dezimierten die Bevölkerung um etwa ein Drittel. Erst 120 Jahre später wurde der alte Stand der Einwohnerzahl (1500) wieder erreicht.

Reich war die Bevölkerung in der Murrhardter Gegend noch nie, doch jetzt verlor sie infolge der Kriegswirren auch noch das Wenige, das ihr unter mühevoller Arbeit geblieben war.

Der Dreißigjährige Krieg, in dem es nicht nur um Macht, sondern auch um religiöse Fragen ging, dauerte schon über 16 Jahre, als Murrhardt direkt betroffen wurde.

In der Schlacht von Nördlingen am 6. September 1634 hatte die protestantische Seite eine empfindliche Niederlage erlitten.

Am Trinitatistag, dem 24. Mai 1635, erschien eine Dragonereinheit und besetzte Stadt und Kloster. In ihrem Gefolge war auch der Benediktinerabt Emmerich Fünkler vom Marienkloster Stade an der Elbe. Er nahm das Murrhardter Kloster offiziell wieder in den Besitz seines Ordens.

Die Klosterkirche, die seit 80 Jahren dem evangelischen Gottesdienst diente und dafür durch verschiedene Umbaumaßnahmen her-gerichtet worden war, sollte nun wieder den Bedürfnissen eines Klosterkonvents gerecht werden. Dazu bedurfte es wieder eines Umbaus. Natürlich waren die mittelalterlichen Inventarstücke wie Lettner und Chorgestühl nicht mehr zeitgemäß, ebenso die hölzernen Emporen für die Gemeinde. Folglich wurde zunächst rigoros ausgeräumt und im Klausurbereich gearbeitet. So wurde der spätromanische Ostflügel des Kreuzganges beseitigt, an seine Stelle trat ein im Stil der Zeit errichteter Säulengang, den man 1870 im Zuge der Renovierung der Stadtkirche wieder abbrach. Die Arbeiten gingen jedoch nur langsam voran. Hunger, Pest und fehlendes Geld wirkten sich negativ auf die Maßnahmen aus.

In den letzten Tagen des Jahres 1642 besetzte und plünderte eine "internationale" Soldateska aus französischen, schwedischen und weimarischen Landsknechten die Stadt und das Kloster. Sie nahmen den "fanatischen" Abt gefangen, der allen Einwohnern Murrhardts evangelische Gottesdienste und kirchliche Amtshandlungen von Taufen bis zu Beerdigungen verboten und den alten katholischen Glauben wiederhergestellt hatte. Dazu verschleppten sie am 13. Januar 1643 den Abt bis ins Militärlager nach Freiburg, wo er am 23. März verstarb, vermutlich infolge von Mißhandlungen.

Dieses Kriegsereignis haben die Mönche als anklagende Inschrift für alle sichtbar an eine Arkadensäule in der Stadtkirche eingemeißelt. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde die Klosterkirche wieder evangelische Gemeindekirche, und die Inschrift versteckte man unter einer dicken Putzschicht . Bei den Ausgrabungen 1973 wurde sie wieder entdeckt, freigelegt und restauriert.

Als Ende des 17. Jahrhunderts die Franzosen in Süddeutschland einfielen und eine verheerende Spur der Verwüstung nach sich zogen, kam Murrhardt glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Backnang dagegen wurde 1693 zerstört.

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