Kleinsträttl Zeichnung Murrhardt 18. Jh.

Die Reformation

1534 führte Herzog Ulrich von Württemberg in seinem Land die Reformation ein. Der katholische Gottesdienst in der Pfarrkirche wurde abgeschafft und ein evangelischer Prediger, ein "Lesemeister", bestellt. Am Gründonnerstag 1535 wurde der erste bekannte Pfarrer, Sebastian Cusius, in sein Amt eingesetzt.

1536 folgte ihm Jakob Ritter und weitere Seelsorger. 1551 übernahm Johannes Rößler die Pfarrei und legte das erste Tauf- und Ehebuch an.

Seit 1626 gibt es auch ein Totenbuch. Während des Dreißigjährigen Krieges war von 1635 bis 1646 kein evangelischer Pfarrer am Ort, erst ab 1649 kehrte wieder Ordnung ein.

Die Klöster erfuhren unter Herzog Ulrich zunächst eine Sonderregelung mit Beibehaltung der Äbte, Teilen des Konvents und ihrer Verwaltung. Das Kloster war eigentlich aufgehoben, nur Abt und Prior verblieben noch darin, in der Funktion von herzoglichen Beam-ten zur Verwaltung des Besitzes.

Erst Herzog Christoph, Sohn Herzog Ulrichs, schuf mit seiner "Klosterordnung" von 1556 die entscheidende Reform: die Klöster wurden aufgelöst.

Wie in anderen Klöstern wurde auch in Murrhardt eine Klosterschule eingerichtet.

Von 1556 bis 1634 existierte ein evangelisches Klosteramt. Die evangelischen Äbte führten nun den Titel Prälat und waren Beamte des Herzogs. Ihnen stand der Klostervogt, ein Finanzverwalter, zur Seite. Der erste dieser Beamten war Jakob Hofseß, der von Herzog Ulrich nach Murrhardt geschickt wurde. Nun wurde das gesamte klösterliche Finanzwesen über die herzogliche Staatskasse abgewickelt, und Hofseß führte die "Oberaufsicht": er war in Stadt und Kloster die mächtigste Persönlichkeit.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das evangelische Klosteramt wieder hergestellt und existierte bis zur Säkularisation 1806.

Eine Reihe bedeutender und berühmter Männer der evangelischen Landeskirche wirkten in Murrhardt. Der bekannteste unter ihnen war Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782), den man auch als "Magus des Südens" bezeichnete und der durch seine Theosophie (Gotteswissenschaft) sowie durch sein großes naturwissenschaftliches Interesse zu den interessantesten Persönlichkeiten seiner Zeit gehörte. Er kam 1766, nach dem verheerenden Stadtbrand, nach Murrhardt und beteiligte sich an der eifrig betriebenen, aber erfolglosen Suche nach Bodenschätzen in unserer Gegend. Von ihm geht die Sage, er habe zu mitternächtlicher Stunde den Seelen gepredigt.


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